Seifersdorf bei Dresden

   

 

Bedeutende Dichter im Seifersdorfer Tal - Wieland

    

Tempel der Musen mit Wielands Büste

 

Der Tempel der Musen war ein offener Holztempel, vermutlich nach einem Entwurf des Baumeisters Genelli, er barg zehn Sitze, gedacht für Apollo und die neun Musen, jene altgriechischen Götter der Künste und Wissenschaften. Ein kunstvoller Aufbau bildete den Hintergrund mit der Büste des Dichters Christoph Martin Wieland (1733-1813) und der Überschrift: Hier weihen sie (die Musen) ihrem Liebling unverwelkliche Kränze, von den Grazien gewunden. Der mit der gräflichen Familie befreundete Wieland hatte der Gräfin Tina folgende Verse in ein Exemplar seines Heldengedichtes Oberon geschrieben:

Nimm, schöne Tina, dieses Freundschafts-Pfand
Gewogen an aus eines Freundes Hand!
Es führe Dir von jenen frohen Stunden
Die holden Schatten oft zurück,
Die wir mit dir so süß, so kurz gefunden,
Und die, beneidet vom Geschick,
Ach nur so bald! und wie ein Traum entschwunden.
Von dem Bau ist jede Spur verschwunden, aber wenn man an diese Stelle tritt und den Blick über die Wiese gleiten lässt, hat man ein herrliches Landschaftsbild vor sich.
   

   

Christoph Martin Wieland (1733-1813) gilt als bedeutendster Prosadichter der deutschen Aufklärung und zählt neben Gotthold Ephraim Lessing und Friedrich Gottlieb Klopstock zu den Wegbereitern der deutschen Klassik. Seine früheren Werke waren von religiöser Begeisterung erfüllt. Noch in jungen Jahren wandelte er sich vom religiösen Schwärmer zum überzeugten Freidenker. In dem Roman "Der Sieg der Natur über die Schwärmerey oder die Abenteuer des Don Sylvio von Rosalva" (1764) setzt er sich satirisch mit seiner ehemaligen Frömmigkeit auseinander. Sein Hauptwerk ist der Roman "Geschichte des Agathon", in dem er die Erziehung eines jungen Mannes schildert.

Dieses von den Idealen der Aufklärung durchdrungene Werk ist der erste große Bildungs- und Erziehungsroman in der deutschen Literatur. 1769 wurde Wieland Professor für Philosophie an der Universität Erfurt. Dort entstanden neben philosophischen Schriften u.a. das Gedicht "Die Grazien" (1770), das Epos "Der neue Amadis" (1771) und der vierbändige politisch-satirische Roman "Der goldene Spiegel oder die Könige von Scheschian, eine wahre Geschichte"  (1772), der von einem dem  Geist der Aufklärung zugewandten Herrscher berichtet. 

Ferner gab Wieland einflussreiche literarische Zeitschriften heraus, in denen er seine Übersetzungen griechischer und lateinischer Klassiker veröffentlichte. Weitere wichtige Werke sind der Roman "Die Abderiten. Eine sehr wahrscheinliche Geschichte" (1774), eine satirische Darstellung kleinstädtischen Lebens und das geistreiche Versepos "Oberon" (1780), das zu seinen bedeutendsten lyrischen Werken zählt.