Seifersdorf bei Dresden

   

 

Bedeutende Dichter im Seifersdorfer Tal - Herder

    
  Das Herder - Denkmal

Auf einer Sandsteinsäule befindet sich die Herder-Eisenbüste. Die Sandsteinsäule wurde 1927 erneuert und trägt einen Lebensspruch, den Herder der Gräfin Christina von Brühl in ein Exemplar seiner "Ideen zur Philosophie zur Geschichte der Menschheit" geschrieben hatte.

        
Des Menschen Leben beschränkt ein enger Raum,
Ein engerer beschränkt seinen Sinn,
Sein Herz der engste,
Um sich her zu sehen,
Zu ordnen, was man kann,
Unschuldig zu genießen,
Was uns die Vorsicht gönnt,
Und dankbar froh hinweg zu gehen:
Das ist des Menschen Lebensgeschichte,
Nicht Idee, es ist Gefühl.
         
          

Johann Gottfried von Herder (1744 - 1803), deutscher Philosoph, Theologe und Dichter, übte großen Einfluss auf die deutsche Klassik und Romantik aus. Ferner bildeten seine Schriften auch das Fundament einer eigenständigen deutschen Sprach- und Geschichtswissenschaft. Von weitreichender Folge für das deutsche Geistesleben sollte sich seine Begegnung mit dem jungen Goethe 1770 in Straßburg erweisen. Die beiden Dichter wurden Freunde und als Herder durch Vermittlung Goethes in Weimar einige Ämter erhielt, bildeten er, Goethe, Schiller und Wieland rasch den Mittelpunkt des Weimarer Geisteslebens.

In seinem Frühwerk "Fragmente über die neuere deutsche Literatur" (1766/67) trat er für eine eigenständige deutsche Nationalliteratur ein, frei von englischen und französischen Einflüssen. Es folgte eine Sammlung programmatischer Schriften unter dem Titel "Von deutscher Art und Kunst", die sich ganz im Sinne des Sturm und Drang gegen den damals vorherrschenden französischen Klassizismus wandten und eine Rückbesinnung auf das deutsche Mittelalter und seine Volksdichtung forderten.

Als große Vorbilder wurde Shakespeare und Homer genannt, was für die weitere Entwicklung der deutschen Literatur von außenordentlicher Bedeutung sein sollte. In diesen Zusammenhang gehört auch Herders Idee des Volksgeistes, der sich in Sprache und Literatur eines Volkes ausdrücken sollte. Als wichtiges sprachwissenschaftliches Werk ist Herders Untersuchung "Über den Ursprung der Sprache" 1772 zu nennen, in der er sprachliche Phänomene auf die Natur des Menschen bezog. In seinem vierbändigen Hauptwerk "Auch eine Philosophie der Geschichte zur Bildung der Menschheit" (1784 - 1791) versucht Herder nachzuweisen, dass Naturgeschichte und Geschichte des Menschen denselben Gesetzen unterworfen sind und somit widerstreitende menschliche Kräfte der menschlichen Natur miteinander in Einklang gebracht werden können.

In den "Briefen zur Beförderung der Humanität" (1793 - 1797) setzte er sich mit der Bedeutung einer nationalen Dichtung für die Entwicklung eines Volkes auseinander. Mit seiner Forderung einer aufklärerisch-didaktischen Dichtung erregte er jedoch den Widerspruch Goethes und Schillers. In seinem Spätwerk setzte er sich kritisch mit der Philosophie Kants, die er ablehnte, auseinander.